TOP Ö 1.4: Ralf Stenger, 63877 Sailauf
Umbau des vorhandenen EFH in ein Zweifamilienwohnhaus mit Gewerbeflächen
Zur Lauterhecke 30, Gemarkung Sailauf
Antrag auf Baugenehmigung

Beschluss: Einstimmig beschlossen

Abstimmung: Ja: 5, Nein: 0, Anwesend: 5

 

Das Vorhaben, dem in einer der letzten Bauausschusssitzungen im Rahmen eines Vorbescheidverfahrens bereits grundsätzlich zugestimmt worden war, ist im Geltungsbereich des Bebauungsplans „Felgen / Hirtenwiese“ geplant.

Für das nun überplante Grundstück sind dem Bebauungsplan aus dem Jahr 1963 Festsetzungen zur Art der baulichen Nutzung, zum Maß der baulichen Nutzung (GRZ und GFZ) und zur überbaubaren Grundstücksfläche in Form von Baugrenzen zu entnehmen.

In den Jahren 1996 und 1997 war im Rahmen eines Änderungsverfahrens zusätzlich die höchstzulässige Zahl der Wohnungen in Wohngebäuden festgesetzt worden. Gemäß der Änderungssatzung sind in diesem Zusammenhang auch gewerblich genutzte Räume in Wohngebäuden zu berücksichtigen.

 

Gegen die wichtigste Festsetzung, nämlich die der Art der Nutzung ist – möglicherweise unbewusst – bereits vor vielen Jahren verstoßen worden.

Ursprünglich war das Wohnhaus vom Inhaber eines Betriebes auf dem gleichen Grundstück errichtet worden und als solches gemäß § 8 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BauNVO ausnahmsweise zulässig.

Mit der Teilung des Grundstücks und dem Verkauf der Betriebsgebäude sind jedoch bereits vor mehreren Jahrzehnten baurechtswidrige Zustände geschaffen worden. Diese sind aus heutiger Sicht mit angemessenen Mitteln nicht mehr zu beheben.

Hinzu kommt, dass es ohnehin Bestrebungen zur Aktualisierung des Bebauungsplans und zur Umwandlung in ein Mischgebiet gibt.

Vor diesem Hintergrund kann der beantragten und begründeten Befreiung von der Art der baulichen Nutzung zugestimmt werden.

 

Ein Vergleich des Bebauungsplans mit der aktuellen Flurkarte zeigt deutlich, dass die damals geplante Abgrenzung des Geltungsbereichs nach außen ebenso wenig beachtet und umgesetzt wurde wie die festgesetzten Baugrenzen.

So ragt das bestehende Wohnhaus bis zu 8 m über die festgesetzte Baugrenze hinaus. Das Grundstück weist insofern eine Besonderheit auf, als es außerhalb des Baufensters intensiver  bebaut ist als innerhalb.

Auch das ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Wollte man die Einhaltung der Baugrenzen im aktuellen Genehmigungsverfahren durchsetzen, würde damit jegliche bauliche Nutzung des immerhin 977 m² großen Grundstücks unmöglich gemacht.

Vor diesem Hintergrund kann der beantragten und begründeten Befreiung von den festgesetzten Baugrenzen zugestimmt werden.

 

Zwar wurde das vorhandene und nun umzubauende Gebäude seit mehreren Jahrzehnten als Wohnhaus genutzt, es steht aber nach wie vor in einem Gewerbegebiet.

Die geplante gewerbliche Nutzung ist demnach ohnehin zulässig und führt in Anbetracht der Größe des Grundstücks nicht zu dessen übermäßiger Ausnutzung. Die zusätzlich erforderlichen Stellplätze sind im Übrigen nachgewiesen.

Vor diesem Hintergrund kann der beantragten und begründeten Befreiung zugestimmt werden.

 

Sowohl die zulässige Grundflächenzahl als auch die festgesetzte Geschossflächenzahl ist eingehalten.


Beschluss:

 

Das gemeindliche Einvernehmen zum beantragten Vorhaben wird erteilt und den beantragten Befreiungen wird zugestimmt.